Figures de Décoration · 2018/2020

FdD Nr. 1  ·  38,5 x 73,0 x 19,0 cm

industriell gefertigte Porzellanfiguren: vergoldet, 24 Karat Blattgold,
handgefertigte Keramikkonsole und Sprechblasen: Unterglasurmalerei

 

Die Rokoko-Porzellanfiguren führen uns in die Zeit der beginnenden Aufklärung und ersten sexuellen Revolution, in der sich die Gesellschaft aus der Knechtschaft christlicher Moral befreite. In den höheren Kreisen der Gesellschaft versuchten Frauen am Korsett männlicher Vormundschaft zu zerren und begannen vorerst im Verborgenen als Künstlerin, Mätresse und Gesellschafterin im patriarchalen System, auf politische Ereignisse Einfluss zu nehmen. Vornehme und gebildete Damen rückten zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit, wie auch ihre Salons, die alsbald zum Anzugspunkt der geistigen Elite des damaligen aufgeklärten Bürgertums wurden.

Wenn es darum geht eine Revolution zu entfachen, findet dies im digitalen Zeitalter nicht in Hinterzimmern elitärer Salons statt, sondern öffentlich in Form von Hashtag-Tweets in sozialen Netzwerken. Die #MeToo-Debatte, auch von Ikonen unserer Zeit initiiert, macht auf strukturelle Gewalt und Machtmissbrauch eines gerade in der Medien- und Kunstwelt immer noch übermächtigen Patriarchats aufmerksam, indem sie den erzwungenen sexuellen Akt öffentlich anprangert.

Zurück zum Porzellanpaar. Wer sich mit der Symbolsprache historischer Porzellan-Dekorationsfiguren auskennt, wird mit einem weiteren Aspekt konfrontiert: Trägt eine Madame einen Blumenkorb und hält Monsieur eine Blume in der Hand, dann erfahren wir all zu intime Details über die Defloration der schönen Dame. Mon Dieu!

Dana Widawski