Toteninsel · 2005

Schwarzer Samt im Objektrahmen mit Taschentuchbox  ·  150 x 80 x 4 cm

Diese Arbeit entstand für die Ausstellung

TOTENINSEL – 30 Künstler nähern sich Arnold Böcklins Gemälde
Kunstfaktor Produzentengalerie Berlin  ·  6. Mai – 19. Juni 2005

Für die Ausstellung Toteninsel  wurden 30 Künstler eingeladen, sich mit dem gleichnamigen Gemälde von Arnold Böcklin bildnerisch auseinanderzusetzen – mit der einzigen Vorgabe, dabei das Format 80 x 150 cm von Böcklins dritter Fassung des Bildes von 1883 einzuhalten (Original in der Alten Nationalgalerie Berlin).

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Toteninsel

Zur Ausstellung vom 6. Mai bis 19. Juni 2005 im Kunstfaktor.

Fast jeder kennt die Toteninsel, dieses düstere und geheimnisvoll romantische Gemälde von Arnold Böcklin: die einsame Felsenformation im Meer, bewachsen von steil aufragenden Zypressen, auf die ein Boot mit einem Sarg zusteuert, um in den in die Felsen eingelassenen Grabkammern einen Verstorbenen zu begraben. Dieses Bild, das Böcklin zunächst auf Wunsch der jungen Witwe Marie Berna, der späteren Gräfin von Oriola, die sich „ein Bild zum Träumen“ wünschte, schuf; dieses Bild, das er in der Folge wegen seines besonderen Interesses an diesem Motiv und wegen des außerordentlichen Anklangs, den sein Werk fand, zwischen 1880 und 1886 gleich in fünf Versionen malte; dieses Bild, das auf einer bekannten Fotografie Hitlers und Molotows in Hitlers Reichspräsidenten-palais zu sehen ist; dieses Bild, das zahlreiche Epigonen zu nachempfundenen Gemälden und Stichen inspirierte und – in seiner dritten Fassung – heute in der Berliner Alten Nationalgalerie immer noch die besondere Aufmerksamkeit der Museumsbesucher auf sich zieht.

Die außerordentliche Faszination, die von diesem Gemälde ausgeht, hat nun den Berliner Künstler Schädelwaldt dazu bewegt, gemeinsam mit der Berliner Galerie Kunstfaktor 30 Kunstschaffende zu versammeln, um in einer gemeinsamen Ausstellung ihre gegenwärtige Interpretation der Toteninsel vorzustellen. Dabei wird sich eine erstaunliche Vielfalt von Blicken auf die Toteninsel ergeben, verschiedene Momente des Bildes werden mithilfe unterschiedlicher Medien, Materialien und Methoden aufgegriffen. Schon bei Böcklin selbst finden sich fünf voneinander in vielen Nuancen abweichende Versionen, und das Gemälde selbst steht in Kontrast zu einem weit weniger bekannten Werk des Malers: der Lebensinsel von 1888. Die zahlreichen im Werk angesprochenen Themen, wie der Gegensatz von Natur und Kultur, die Opposition von Tod, Vergänglichkeit und Leben, die sexuellen Konnotationen des mit aufgerichteten Zypressen bewachsenen Felsenbeckens etc., sie alle begründen die Spannung, die dieses nur scheinbar so ruhige Bild ausstrahlt. So wird es auch in dieser Ausstellung mit Kunstwerken der Gegenwart ein kontrastreiches Ensemble individueller Zugänge zu diesem Werk geben. Wir dürfen gespannt sein!

Jan-Christoph Heilinger